| Die meist glücklich verlaufene Geschichte prägt seit dem Mittelalter die Vergangenheit von Straubenzell. Trotz seiner strategisch besonderen Lage – am Flussübergang der Sitter und als westliche Pforte der Stadt St.Gallen – blieb Straubenzell von Kriegen und Verwüstungen verschont. Während Jahrhunderten hielten die Fürstäbte des Klosters St.Gallen ihre schützende Hand über die Straubenzeller. Dankbar und gottesfürchtig blieben diese auch während der Wirren der Reformation dem Kloster St.Gallen treu verbunden. | ||
Strubuncello |
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Hauptmannschaft der
Fürstabtei St.Gallen Als älteste Form der Gemeindeorganisation entstand aus der altgermanischen Allmeindgenossenschaft eine Siedlungsgenossenschaft. Diese kannte jedoch keine eigene Gerichtsbarkeit und wurde als so genannte Hauptmannschaft vom Landeshofmeisteramt des Fürstabtes von St.Gallen verwaltet. Wie im feudalistischen Mittelalter üblich, war der Fürstabt nicht nur geistliche Autorität sondern auch weltlicher Herrscher über die «Gemain Insässen und Lüt ze Strubenzell», deren Leibherrschaft er besass. Ob den äbtlichen Landeshofmeister die Lage von Straubenzell besonders reizte oder ob er bloss näher an seinen «Schützlingen», denen er den Zehnten abnehmen durfte, sein wollte, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall residierte er in der 1474 erbauten Burg Waldegg. Von dort hatte er die Lage stets im Griff und konnte sich, sollte Gefahr drohen, schnell hinter die schützenden Mauern der nahen Stadt St.Gallen in Sicherheit bringen. |
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Brücken Zum Überqueren der Sitter wurden schon früh Brücken gebaut. Ein Vertrag aus dem Jahre 1549 erwähnt bereits drei verschiedene Brücken über die Sitter. Von 1807 bis 1811 entstand die massive steinerne Kräzernbrücke auf zwei Gewölben. Ein architektonisches Prunkstück des frühen 19. Jahrhunderts. Die Industrialisierung, mit der Einführung der Eisenbahn und die rund hundert Jahre später folgende Verbreitung des Automobils, liessen Bruggen zum Eldorado der Brückenbauer werden. Ein Prachtbau folgte dem andern und verwandelte das Sittertobel in eine einzigartige und beispiellose Brückenlandschaft. |
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| Bruggen Der eigentliche Hauptort der Gemeinde verdankt seinen Namen «Ad Bruccon», bei den Brücken, den Flussübergängen über Sitter, Urnäsch und Wattbach. Bruggen war erst Versammlungs- und später auch Amtsort von Straubenzell. Soziales Denken und Handeln hatte unter den Straubenzellern schon früh seine Bedeutung. In Bruggen wurde bereits 1568 ein Siechenhaus für Kranke und Aussätzige eröffnet, während man mit dem Bau einer eigenen Kirche bis ins Frühjahr 1600 wartete. Diese wurde dann auch sinnigerweise dem heiligen Martin gewidmet. |
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| Kirchen und Gotteshäuser Wie es sich für Untertanen des Fürstabtes ziemte, waren die Leute zu Straubenzell gottesfürchtig und meist auch gehorsam. Die um 1600 in Bruggen erbaute erste St.Martinskirche wurde über die Jahrhunderte oft erweitert oder ersetzt. 1936 musste der vornehme, spätbarocke Kirchenbau aus dem Jahre 1784 der neuen St.Martinskirche weichen. In Straubenzell war man dem Kloster St.Gallen treu ergeben und liess sich nicht von der neuen Glaubensrichtung während der Reformation beirren. Bis Ende des 18. Jahrhunderts wagten Protestanten kaum, sich auf äbtischem Gebiet niederzulassen. Nach der Kantonsgründung 1803 lockerte sich diese Haltung und 1831 lebten bereits 115 Angehörige des reformierten Glaubens auf Straubenzeller Gebiet. Diese Zahl wuchs stetig und 1906 errichtete die einige Jahre zuvor gegründete evangelische Kirchgemeinde an der Zürcherstrasse eine eigene Kirche im zeitgenössischen Jugendstil. |
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| Schulen In Straubenzell war man sich bereits früh über die Notwendigkeit einer guten Schulbildung bewusst. Ein fürstäbtlicher Stiftungsbrief von 1646, über 100 Jahre vor der Geburt von Heinrich Pestalozzi, bezeugt die Gründung der Straubenzeller Schule «rechtlich und in aller Form». Der erste Schulunterricht soll in Straubenzell jedoch bereits 1630 erteilt worden sein. In der Folge wurden, analog zur Zunahme der Bevölkerung, neue Schulhäuser gebaut oder bestehende erweitert. |
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Stadtvereinigung Die «Helvetische Revolution» von 1803 hatte die Auflösung der Fürstabtei St.Gallen zur Folge, worauf aus Höfen und Ortschaften von Straubenzell eine einzige politische Gemeinde gebildet wurde. Neben der Krankenfürsorge, dem Strassenbau und dem Schulwesen hatte sich die politische Gemeinde nun auch um die militärische Ausbildung seiner Bewohner zu kümmern. Dafür erhielt sie endlich die eigene Gerichtsbarkeit. Im Gegensatz zu anderen Ortsgemeinden hatten die Ortsgemeinde und die politische Gemeinde Straubenzell seit 1833 in geografischer Hinsicht die gleichen Grenzen. Dies änderte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg, als sich 1918 die politische Gemeinde mit der Stadtgemeinde St.Gallen vereinigte und ihre politischen Rechte abtreten musste. |
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Bevölkerung Zuverlässige Einwohnerzahlen existieren erst aus jüngerer Zeit. So lange die Untertanen nicht rebellierten, brav zur Beichte gingen und ihre Abgaben pünktlich bezahlten, hielt man eine genaue Kontrolle für unnötig. Anno 1700 lebten um die 1260 Personen auf dem heutigen Gemeindegebiet. Zwei Jahrhunderte später, bei der Vereinigung mit der Stadt St.Gallen im Jahre 1918, hatte sich die Bevölkerung mehr als verzehnfacht. Heute, zu Beginn des dritten Milleniums, leben von ca. 70'000 Stadtbewohnerinnen und-bewohnern mehr als 20’000 in Straubenzell. |
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| Industrie Als Wegbereiter der Industrialisierung wurde die Wasserkraft der Sitter schon früh genutzt. Bereits 1650 stand eine erste Papiermühle an der oberen Kräzern. Wie in der übrigen Ostschweiz, kam der Textilindustrie grosse Bedeutung zu. 1430 enstand «an der Sittern zu Engenfurth» eine Walke zur Filzherstellung. Schon bald wurde in Straubenzell gesponnen, gewoben, gebleicht, gefärbt und gestickt, das dann auf den Weltmärkten abgesetzt wurde. Leider war dies oft nicht einfach und so verlor die Textilindustrie immer mehr an Bedeutung. Zum Glück wurde die verkehrstechnisch ausgezeichnete Lage von Straubenzell auch für andere Industriezweige attraktiv. Dies führte zu einer gesunden wirtschaftlichen Basis der Gemeinde, die bis heute Bestand hat. Der kurze Traum vom direkten Anschluss an die grosse weite Welt löste die Flugeuphorie der zwanziger Jahre aus. Vom Flugplatz Breitfeld bestand ab August 1927 eine regelmässige Flugverbindung nach Dübendorf und Basel. Als der Flugplatz 1931 nach Altenrhein verlegt wurde, war der Traum ausgeträumt und man besann sich wieder auf nähere und solidere Werte! |
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